Die Welt auf der Bühne – Theater in unserer Zeit

Die Idee, dass unsere Welt nur eine Bühne und das Weltgeschehen nur ein Schauspiel sei, beschäftigte schon antike Denker wie Platon. Der Maler Franz Radziwill (1895-1983) fand die Bühne seiner Bilderzählungen im großen Kosmos. Über sein „Welttheater“ sprechen Christian Firmbach, Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters, und Konstanze Radziwill inmitten der aktuellen Ausstellung „Inszenierte Bildräume“. Im Dialog wird ein Bogen von Radziwills Bildkompositionen zur zeitgenössischen Theaterinszenierung geschlagen.

Malerei und Theater befruchten sich gegenseitig schon immer, entstanden doch die ersten illusionistischen „Räume“ bereits im antiken Theater. Mit kunstvoll hintereinander gestaffelten Kulissen wurde dem Publikum der Eindruck vermittelt, dass sich die Schauspieler inmitten von Architektur oder einer weiten Landschaft bewegen. Im Barock wurde die Perspektivwirkung mit der Idee der „Guckkastenbühne“ noch verstärkt, die den Bühnenboden zum Hintergrund hin ansteigen ließ. Diese Effekte machte sich auch Franz Radziwill zu nutze. In manchen Gemälden scheint der hölzerne Dielenboden dem Betrachter nahezu entgegen zu kippen. Wiederum in anderen Bildern sind die Gegenstände dicht zusammengeschoben wie Requisiten in der Umbaupause. Mitunter ist in seinen Bildern sogar ein aufgezogener Vorhang zu finden, der den Blick auf die dahinter liegende Szenerie erst freigibt.

Radziwill, der sich um 1920 als junger Maler oft in Berlin und Hamburg aufhielt, wurde von Beginn seines künstlerischen Schaffens an unmittelbar und mittelbar vom Theater inspiriert. Einerseits besuchte er selbst Schauspielhäuser und Varietés, andererseits fand er Anregungen in der Kunst seiner Zeitgenossen, die ihrerseits vom Theater beeinflusst wurden. Edvard Munch arbeitete mit den Berliner Kammerspielen zusammen und schuf Bühnenbildentwürfe für Max Reinhardt. Giorgio de Chirico ließ sich von der Bühnenarchitektur Edward Graigs und dessen Idee einer Über-Marionette inspirieren. Da erstaunt es  nicht, dass manche Figuren in den frühen Gemälden Radziwills die Kostüme von Kasimir Malewitsch´s konstruktivistischem Theater tragen.

Die Franz Radziwill Gesellschaft freut sich sehr, Christian Firmbach zum diesjährigen Künstlergespräch begrüßen zu dürfen. Firmbach studierte Gesang an der Musikhochschule Köln und wandte sich dann dem Regiefach zu. Von 1997 bis 2004 war er am Theater der Bundesstadt Bonn tätig, anschließend wurde er künstlerischer Betriebsdirektor am Hessischen Staatstheater Darmstadt. Seit 2004 steht er auch regelmäßig als Professor Florestan in Kinderkonzerten auf der Bühne, u.a. am Staatstheater Darmstadt, am Badischen Staatstheater Karlsruhe und in der Tonhalle Zürich. Von 2008 bis 2014 war er am Theater Bonn als Künstlerischer Betriebsdirektor sowie Stellvertreter des Generalmusikdirektors engagiert. Seit der Spielzeit 2014/15 ist Christian Firmbach Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters.

Um Anmeldungen wird gebeten.

Termin:        Sonntag, 23. Juni 2019 um 11:30 Uhr

Eintritt:        Erwachsene 10,00 € inkl. Ausstellungsbesuch (Mitglieder frei)

Ort:               Franz Radziwill Haus, Sielstraße 3, 26316 Dangast