Grußworte zur Eröffnung vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und dem 1. Vorsitzenden Jürgen Müllender

Rede Jürgen Müllender, 1. Vorsitzender Franz Radziwill Gesellschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,
die Eröffnungsveranstaltung war bekanntlich anders geplant und musste Corona bedingt ausfallen. Wir sind sehr glücklich, dass wir die neue Ausstellung „Lichtspiele“ nun endlich eröffnen dürfen.
Die Ausstellung ist zugleich der krönende Abschluss und Höhepunkt unserer Jubiläumsreihe, die wir Ihnen zum 125. Geburtstag Franz Radziwills vorstellen möchten. Am 6. Februar 1895 wurde der Maler in Strohausen an der Unterweser geboren. Manche von Ihnen waren beim Festakt am 6. Februar im Oldenburger Schloss dabei. Wir freuen uns, wenn Sie nun auch das Künstlerhaus besuchen.
Schon vor etwa fünf Jahren haben wir darüber nachgedacht, was wir Ihnen, unserem Publikum, zum Jubiläum zeigen können. Wir suchten ein Thema, das bislang noch nicht gespielt wurde. Es sollte zugleich ein Thema sein, das zur Erforschung des Oeuvres von Franz Radziwill – einmal mehr – etwas Neues beiträgt, denn die Kenntnisse über sein Werk zu erweitern, dazu fühlen wir uns als Franz Radziwill Gesellschaft besonders verpflichtet.
So entwickelten wir die Idee, uns erstmalig den rein formalen Eigenschaften seiner Malerei zu widmen – und im wahrsten Sinn des Wortes haben wir aus dieser Idee ein Projekt gemacht. Unter dem Motto „Avantgarde und Tradition“ konzipierten wir gleich eine fünfteilige Reihe. Dabei nahmen wir uns den typischen Merkmalen an, die Radziwills Bilder so unverkennbar machen.
Die aktuelle Schau „Lichtspiele“ bildet den fünften Teil. Wie der Titel voraussagt, steht das Licht im Zentrum der Ausstellung. Mit seinem virtuosen Einsatz von Lichteffekten avancierte Franz Radziwill schon in den 1920er Jahren zu einem der führenden Vertreter des Magischen Realismus.
Die vier vorangegangenen Ausstellungen waren im Jahr 2016 „Schneeweiß und Nachtschwarz“ über Radziwills Einsatz von Kontrasten, in 2017 „Die Palette des Malers“ über seine typische Farbgebung, in 2018 „Fläche wird Bild“ über Radziwill künstlerische Reflexion der Zweidimensionalität des Mediums Malerei sowie im vergangenen „Inszenierte Bildräume“ über Radziwills Umgang mit Perspektive.
Und bestimmt betonte ich es bereits in den Vorjahren: Die Untersuchung seiner typischen Kompositionsmittel lässt uns einmal ganz neu auf Radziwills Bilder schauen. So wird nachvollziehbar, welche künstlerischen Strategien es sind, die uns als Betrachter so sehr in den Bann ziehen. Auch dieser fünfte Teil der Reihe soll einen frischen Blick auf die Motive dieses malenden Alchimisten ermöglichen. Zwanzig Gemälde werden Sie in der neuen Ausstellung sehen.
Ein herzlicher Dank gilt unserer Kuratorin Birgit Denizel, die unsere Jubiläumsidee so hervorragend umgesetzt und zu jeder Ausstellung einen begleitenden Katalog erstellt hat. Die Besucherzahlen bestätigen die Qualität unserer Arbeit. Mit jeder Ausstellung konnten wir rund 5.000 Besucher gewinnen. Auch die Resonanz der Presse war überaus positiv.
Doch nicht nur das freut uns. Wir freuen uns auch, dass wir in diesem Jahr – zum 125. Geburtstag – in Prof. Rainer Stamm und dem Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte einen Partner gefunden haben, um das Lebenswerk von Franz Radziwill gebührend zu würdigen. Im Oldenburger Schloss wird parallel die Ausstellung „125 WERKE ZUM 125. GEBURTSTAG“ gezeigt.
Während wir uns hier in Dangast sehr pointiert den „Lichtspielen“ widmen, wird im Landesmuseum ein großer Bogen gespannt. Der Rundgang durch die Räume folgt dem Lebensweg des Künstlers – von seinem impressionistischen Frühwerk über seine Anlehnung an den Expressionismus und seine Hinwendung zum Magischen Realismus bis zu den Werken der Nachkriegszeit. Dabei bilden die Werke der 1960er Jahre, die Einflüsse des Surrealismus sichtbar machen, den Abschluss des Rundgangs. Eine spannende Retrospektive, die – als „roter Faden“ – über Radziwills jahrzehntelange Verbindung zum Landesmuseum erzählt. Diese Verbindung führte schließlich auch zu dem umfangreichen Fundus, auf den das Landesmuseum jetzt zurückgreifen kann.
Deutschlandweit ist Franz Radziwill in über 30 öffentlichen Sammlungen vertreten, doch im Vergleich besitzt das Oldenburger Landesmuseum den größten Bestand seiner Arbeiten – von Skizzen und Zeichnungen über Grafiken und Aquarelle bis hin zu großformatigen Ölgemälden. Fast alle dort ausgestellten Werke stammen aus der hauseigenen Sammlung und wurden nur um einzelne bedeutende Leihgaben ergänzt.
Zu Radziwills 125.Geburtstag kam jüngst noch ein weiteres Werk zu der Sammlung hinzu. Professor Dr. Gerd Presler und seine Frau Doris schenkten dem Museum das Gemälde „Parklandschaft mit Brücke“. Entstanden im Jahr 1915, handelt es sich um das früheste Ölbild Radziwills. Im Werkverzeichnis trägt es die Nummer„1“. Es ist jetzt im Oldenburger Schloss zu sehen.
Im Franz Radziwill Haus werden Sie hingegen dem spätesten Gemälde des Gesamtwerks begegnen. Es handelt sich um das Ölbild „Der Teufel allein hat den Strick nicht geschaffen“ aus dem Jahr 1971. Im Werkverzeichnis trägt es die Nummer 848. Es ist eine Leihgabe des Oldenburger Stadtmuseums. Sie sehen, Radziwill ist allein in Oldenburg in zwei Häusern vertreten.
Da die Franz Radziwill Gesellschaft über keine eigene Sammlung verfügt, sind wir immer wieder – Jahr für Jahr – auf die Unterstützung öffentlicher und privater Leihgeber angewiesen.
Dabei sind nahezu alle Werke hier in Dangast im Franz Radziwill Haus entstanden. Und so sind wir sehr dankbar, wenn wir die Originale hier im Künstlerhaus einmal zeigen dürfen.
Beides ist wichtig, um Radziwills Erbe lebendig zu halten: Die Ausstellung seiner Bilder und der Erhalt und die Pflege seines Nachlasses – und damit auch seines Hauses. Man kann es nicht oft genug betonen: Das Franz Radziwill Haus gehört zu den wenigen Künstlerhäusern in ganz Europa, die noch im Originalzustand erhalten und überdies der Öffentlichkeit zugänglich sind. Seit über 30 Jahren finden hier wechselnde Ausstellungen statt. Gerade die persönliche Atmosphäre seines ehemaligen Wohnhauses zu erleben, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck seiner Malerei. In der niedersächsischen Kulturlandschaft ist das Franz Radziwill Haus nicht mehr wegzudenken. Die Erfolgsgeschichte des Künstlerhauses möchten wir auch nach dem 125.Geburtstag – oder gerade deswegen – sehr gerne weiterschreiben.
Ich danke an dieser Stelle sehr herzlich unserem Niedersächsischen Ministerpräsidenten Herrn Minister Weil für die freundlichen Worte.
Ihnen, liebe Kunstfreunde, wünsche ich viel Freude beim Ausstellungsbesuch.
Jürgen Müllender
1.Vorsitzender der Franz Radziwill Gesellschaft e.V.

 

Grußwort des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil

Liebe Freunde und Freundinnen des Künstlerhauses,
die Eröffnungsfeier unserer Jubiläumsausstellung „Lichtspiele“ mussten wir, wie Sie wissen, wegen der Infektionsgefahr leider absagen. Auch das Haus muss vorerst weiter geschlossen bleiben. Darum möchten wir Ihnen das Grußwort des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil, das bei der Eröffnung von Jürgen Müllender verlesen werden sollte, auf diese Weise zugänglich machen…

 

Sehr geehrte Damen und Herren!
Anlass der heutigen Ausstellungseröffnung ist der 125. Geburtstag von Franz Radziwill, den wir in diesem Jahr begehen. Die Ausstellung bildet den Abschluss einer Reihe, mit der das Franz Radziwill Haus einmal mehr zeigt, wie vielschichtig und gleichzeitig innovativ das Werk dieses Künstlers ist.
Radziwill fühlte sich der gegenständlichen Malerei verpflichtet, deren Ausgangspunkt immer seine eigene Lebenswelt war. In seine Werke integrierte er Stimmungen, innere Vorstellungen und Phantasien. So sagt das einzelne Kunstwerk weniger über die Welt an sich aus, als über die Weltauffassung des Künstlers.
Für ihn und ebenso für uns als Betrachter gilt, dass der menschliche Blick nie ohne Meinung verläuft. Stets betrachten wir die Dinge aus einer Perspektive heraus, die in Wechselwirkung mit dem Zeitgeist und unserer Gesellschaft steht und nicht konstant, sondern im Wandel begriffen ist. Diese verschiedenen Perspektiven deutlich zu machen und Zugänge zu ihnen zu schaffen – dafür setzt sich die Franz Radziwill-Gesellschaft seit vielen Jahren ein. Durch ihr großes Engagement wird neben der Vermittlung auch immer die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Leben und Werk dieses oft nur schwer fassbaren Künstlers gefördert.
Kultureinrichtungen wie das Franz Radziwill-Haus sind ein wichtiger Teil des reichen kulturellen Erbes unseres Landes und zugleich auch immer eine Visitenkarte ihrer Region. Parallel zur Ausstellung heute zeigt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg ebenfalls eine umfassende Schau des Künstlers aus Anlass seines 125. Geburtstages. Ich begrüße diese Kooperation sehr, denn sie befruchtet nicht nur beide Häuser, sondern bereichert den Kunstgenuss für uns als Besucher.
Dafür möchte ich allen Beteiligten sehr herzlich danken.
Hannover, im Januar 2020

Stephan Weil
Niedersächsischer Ministerpräsident