Rückblick

2018 Franz Radziwill – Fläche wird Bild

Aller Anfang der Malerei ist Fläche. Wenn ein Künstler ein Gemälde schafft, steht er zunächst der zweidimensionalen Leinwand gegenüber. Seit der Renaissance wurde der Eindruck von Tiefenräumlichkeit immer weiter perfektioniert, bis die Moderne die Flächigkeit des Bildes wiederentdeckte. Franz Radziwill verzichtete niemals auf den Bildgegenstand, aber die Auseinandersetzung mit flächenbetonenden Tendenzen wird in seinen Kompositionen sehr deutlich.


Einmal nah, einmal fern, 1956, Öl auf Leinwand auf Holz, Privatbesitz

Die  Ausstellung “Fläche wird Bild” widmete sich den unterschiedlichen Funktionen der Fläche in seinen Werken – von der Betonung der Zweidimensionalität des Bildträgers selbst bis zu Motiven, in denen die Flächen im Bild, zum Beispiel Mauern oder Fassaden, als Malgrund für weitere Bildzeichen oder ästhetische Zitate dienen. Die Betrachtung der formalen Aspekte lässt uns einmal ganz neu auf die Werke Radziwills schauen. Sein Umgang mit der Fläche war der dritte Teil unseres fünfjährigen Jubiläumsprojektes, mit der die Franz Radziwill Gesellschaft den 125. Geburtstag des Malers im Jahr 2020 feiern möchte. In einer Reihe von fünf Ausstellungen werden zum ersten Mal die konzeptionellen Qualitäten der Malerei Franz Radziwills untersucht.


Mooreplastik an der Flussmauer, 1954, Öl auf Leinwand auf Holz, Privatbesitz

 

 

 

 

2017 Franz Radziwill – Die Palette des Malers

Franz Radziwills Gemälden ist ein unverkennbares Kolorit gemein. Als junger Maler von Marc Chagall und der Künstlervereinigung ‚Brücke‘ inspiriert, setzte Radziwill im Frühwerk sehr kräftige, leuchtende Farben ein. Durch den Einsatz von Komplementärfarben steigerte er ihre Strahlkraft zusätzlich. Die Inspiration für seine Werke fand er schließlich am Jadebusen, wo er sich 1923 niederließ. Über seine Wahlheimat schwärmte Radziwill: „Zwischen Bergen und Rotterdam ist Dangast die farbigste Ecke auf der Welt.“


Der Fischer, 1920, Öl auf Leinwand auf Hartfaserplatte, Privatbesitz

Angeregt von der Malerei der alten Meister beginnt er  folgend, die Farben abzutönen. Sein Pinselstrich entwickelte sich von schwungvoller Primamalerei zu feiner Lasurtechnik. Im reifen Werk kombiniert der Maler schließlich die ungemischten Grundfarben mit den Farbnuancen nach der Beobachtung. Das Zusammenwirken expressiver Farbigkeit und altmeisterlicher Gegenständlichkeit wurde ein charakteristisches Merkmal seiner Malerei. 24 Gemälde aus allen Schaffensphasen wurden gezeigt. Landschaften, Portraits und Stillleben vermittelten einen repräsentativen Eindruck von Radziwills typischer Palette.

Frau zwischen roten Stühlen, 1924, Öl auf Leinwand auf Holz, Museum Kunstpalast, Düsseldorf  
Frau zwischen roten Stühlen, 1924, Öl auf Leinwand auf Holz, Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

 

 

2016   Franz Radziwill – Schneeweiß und Nachtschwarz

Der Einsatz von Kontrasten ist ein wesentliches Merkmal der Malerei Franz Radziwills (1895-1983). Effektvoll nutzte der Künstler das Nebeneinander von Hell und Dunkel, um das Motiv mit einer metaphysischen Stimmung aufzuladen.  Radziwills Auseinandersetzung mit der Wirkung von Kontrasten begann schon um 1920, als er erste Holzschnitte schuf. Im expressionistischen Stil vervielfältigte er seine Bildideen im Zweifarbendruck: Schwarz auf Weiß. Die Kenntnisse um die Wirkung der Kontraste blieben zeitlebens ein wesentlicher Bestandteil seiner Malerei.  Bei seinem Studium der alten Meister fand Radziwill in Rembrandt van Rijn ein großes Vorbild. Von dessen berühmter Hell-Dunkel-Malerei inspiriert, zeichnen sich Radziwills Gemälde ab 1925 durch eine reduzierte Farbgebung aus, die der Palette Rembrandts entspricht: Schwarz und Weiß dominieren neben Rot und Tönen von Ocker, Gelb und Gold. Das Ölbild „Zwei Männer und eine Frau in einer Loge“ aus dem Jahr 1923 ist ein Beispiel dafür.


Zwei Männer und eine Frau in einer Loge, 1923, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Auch Radziwills Landschaftsbilder zeichnen sich durch auffällige Kontraste aus. Die Inszenierung der Nacht stellte für ihn als Maler eine besondere Herausforderung dar. Als Raum der Träume bot ihm die Schattenseite der Welt Ideen für unheimliche Szenarien. Sein künstlerisches Interesse galt jedoch nicht nur der Schwärze, sondern auch den vielen Facetten von Weiß, die er in den Schneelandschaften entdeckte. Das Erlebnis verschneiter Gefilde verbindet bedrohliche Vorstellungen von Eiszeit mit spürbarer Sehnsucht nach ursprünglicher Einheit mit der Natur.

Insgesamt wurden Beispiele früher Druckgrafik über spukartige Nachtstücke und romantische Winterbilder bis hin zu apokalyptisch anmutenden Spätwerken gezeigt. Auch wiederentdeckte Seltenheiten wie das „Stillleben mit Bartnelke“, 1937, waren zu sehen.


Stillleben mit der Bartnelke, 1937, Öl auf Leinwand auf Holz, Privatsammlung

Die Ausstellung „Schneeweiß und Nachtschwarz“ war der erste Teil des fünfjährigen Jubiläumsprojektes, mit der die Franz Radziwill Gesellschaft den 125. Geburtstag des Malers im Jahr 2020 feiern möchte. Unter dem Motto „Moderne und Tradition“ werden in einer Reihe von fünf Jahresausstellungen von 2016 bis 2020 erstmalig die konzeptionellen Qualitäten der Malerei Franz Radziwills untersucht. Zu jeder Ausstellung findet ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm statt.