Franz Radziwill Haus

Das Franz Radziwill Haus im Künstlerort Dangast ist weltweit eines der wenigen Malerhäuser, die im Originalzustand erhalten sind.
1920 lernte Franz Radziwill das Fischerdorf und Seebad Dangast auf Anraten von Karl Schmidt-Rottluff kennen. Das abgeschiedene Kleinod am Jadebusen diente vielen Mitgliedern der Künstlergemeinschaft „Brücke“ mehrere Sommer lang als Quelle der Inspiration: Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein und Emma Ritter hielten sich zwischen 1907 und 1912 in den Sommermonaten in Dangast auf und schufen hier bedeutende Werke des Expressionismus. Die Adresse der Geschäftsstelle der „Brücke“ war von 1907 – 1912 der Gasthof „Zum Fürsten Bismarck“ (jetzt Landhotel Tepe) in Dangastermoor.
Schon bei Radziwills ersten Aufenthalten in den Jahren 1920 – 1922 hat Dangast den jungen Maler in den Bann gezogen. 1923 erwarb er eine kleine Fischerkarte, die er als gelernter Maurer durch Anbauten, insbesondere einen großen Ateliertrakt, zur heutigen Gestalt des gesamten Komplexes erweiterte. Für die Küchenwände sammelte er friesische Kacheln und auch die Möbel entwarf und bemalte er selbst. Hier schuf er den Großteil seiner Werke. In seinem Atelier, der heutigen zentralen Ausstellungsebene, stehen noch heute seine Staffeleien. Daneben liegen die Pinsel und die Palette, die er benutzte und an der Wand hängt sein Malerkittel. Wohl nirgends vermitteln sich die Werke eines Künstlers besser als am Ort ihrer Entstehung.

Sechzig Jahre, bis zu seinem Lebensende 1983, hat Franz Radziwill in dem Backsteinhaus an der Dangaster Sielstraße 3 verbracht. Mit seiner authentischen Einrichtung ist das ganze Gebäude ein begehbares Gesamtkunstwerk und  zugleich, in den Phasen seiner Entstehung, eine Art „gemauerte Künstlerbiographie. Auf Initiative der Familie und der Franz Radziwill Gesellschaft ist das Franz Radziwill Haus seit 1987 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, somit feiert das Künstlerhaus 2017 sein 30. Jubiläum. Mit seinen wechselnden Ausstellungen und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm ist es ein kultureller Anziehungspunkt für die Region und weit darüber hinaus geworden.